KAMMERMUSIK
Lucerne Piano Trio
Leonid Baranov, Violine
Milena Marena, Violoncello
Alla Belova, Klavier
Von der Kammer in den Konzertsaal: Das Lucerne Piano Trio bringt wunderbare Kammermusik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Germaine Tailleferre sowie die bezaubernd-leichte «Café Music» von Paul Schoenfield in die Andermatt Konzerthalle.
—FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
Klaviertrio d-Moll op. 49
GERMAINE TAILLEFERRE
Klaviertrio für Violine, Violoncello und Klavier
PAUL SCHOENFIELD
Café Music
Vom Privaten in die Öffentlichkeit: Was im 18. Jahrhundert als intimes Zusammenspiel in der heimischen «Kammer» begann, erfreute sich bald steigender Beliebtheit, sodass Kammermusik wie das Klaviertrio auch in grossen Konzertsälen – und damit öffentlich – hörbar wurde. Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb sein erstes Klaviertrio im Jahr 1839 mit 30 Jahren als bereits etablierter Komponist und Pianist. Gemäss seiner Doppelbegabung sowohl an der Feder als auch an den Tasten, sass Mendelssohn bei der Uraufführung seines Trios in d-Moll 1840 selbst am Klavier – woraufhin Robert Schumann seinerseits in der Neuen Zeitschrift für Musik höchste Lobeshymnen anstimmte: Dieses «Meistertrio der Gegenwart» lasse Mendelssohn als «Mozart des 19. Jahrhunderts» erscheinen, als «der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut, und zuerst versöhnt».
Auch Germaine Tailleferre spielte viele ihrer Kompositionen selbst – schliesslich war sie ausgebildete Pianistin. Als ihr Klaviertrio 1978 erschien, war sie allerdings bereits 86 Jahre alt, sodass sie die Uraufführung vermutlich Anderen überliess. Tailleferres Trio blieb zunächst im Privaten: Die ersten drei Sätze entstanden bereits 1916/17; erst rund 60 Jahre später fügte Tailleferre einen kontrastierenden vierten Satz hinzu, bevor das Werk erstmals öffentlich aufgeführt wurde. Als einzige Frau in der «Groupe des Six» entwickelte sie im Paris der 1920er Jahre ihren unverwechselbaren Stil: Neoklassizistische und impressionistische Elemente verband die Komponistin mit modernen Einflüssen, was ihrem Werk gewissermassen eine überzeitliche Qualität verleiht. Und auch der Schöpferin selbst attestierte Darius Milhaud, ebenfalls Teil der Komponist*innen-Gruppe: Tailleferre sei «immer 20 Jahre alt».
Paul Schoenfield – auch er war Konzertpianist – schrieb seine «Café Music» neun Jahre nach Tailleferres Trio. Inspiriert von einem Engagement Schoenfields als Einspringer für den Hauspianisten eines Restaurants in Minneapolis, kombinierte er in seinem Werk klassische Musik mit folkloristischen Anklängen an Klezmermusik und mit anderen Tanzelementen – und griff bei der ersten Aufführung selbst in die Tasten. Schoenfield wollte eine Art «High Class Dinner-Musik» schaffen, die «in einem Restaurant gespielt werden könnte, aber auch (gerade so) den Weg in den Konzertsaal findet». Dies ist ihm, wie auch der heutige Abend belegt, gelungen.
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