VON ALPHORN BIS NEOKLASSIK
Lisa Stoll, Alphorn
Yuki Hirano, Violine
Swiss Orchestra
Lena-Lisa Wüstendörfer, Leitung
Als Höhepunkt des «Fest der Musik» loten wir die Grenzen der Klassik aus: Die Alphornistin Lisa Stoll präsentiert gemeinsam mit dem Swiss Orchestra Musik von Mozart sowie Schweizer Melodien, während die Violinistin Yuki Hirano mit der virtuosen «Carmen-Fantasie» sowie einem neoklassizistischen Werk aus dem Vollen schöpft. Das Konzert findet im Rahmen des «Fest der Musik» statt, an dem tagsüber Darbietungen verschiedener Stile Andermatt Reussen mit Musik erfüllen.
—EDVARD GRIEG
Zwei nordische Weisen für Streichorchester op. 63
LEOPOLD MOZART
Sinfonia Pastorella in G-Dur für Alphorn und Streichorchester
HANS-JÜRG SOMMER
«Alp-Sommer» für Alphorn und Streichorchester op. 222
ALEXEY SHOR
Violinkonzert Nr. 6 «Carpe Diem»
FRANZ WAXMAN
Carmen-Fantasie für Violine und Streichorchester
SAMUEL BARBER
Adagio for Strings
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Das Konzert findet im Rahmen des «Fest der Musik» statt, an dem tagsüber Darbietungen verschiedener Stile Andermatt Reussen mit Musik erfüllen. Kooperationspartner:

Friedrich Nietzsche, deutscher Philosoph und Philologe, schrieb 1888 eines der schärfsten und unterhaltsamsten Pamphlete der Musikgeschichte. Es handelt von seinem ehemaligen, einst hoch geschätzten Freund Richard Wagner. Und es ist eine charmante Untertreibung, wenn Nietzsche das Vorwort seiner knapp sechzigseitigen Abrechnung beginnt mit: «Ich mache mir eine kleine Erleichterung.» Denn er zerpflückt den Komponisten und dessen Musik in «Der Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem» nach allen Regeln der Kunst – oder sollte man in diesem Zusammenhang eher etwas flapsiger formulieren: nach Strich und Faden? Der Orchesterklang sei «künstlich» und «brutal», Wagners Kunst ein Zaubertrick, Wagner selbst eine «kluge Klapperschlange»: «Er ist der Meister hypnotischer Griffe, er wirft die Stärksten noch wie Stiere um.» Als positives Gegenbeispiel zieht Nietzsche – der Kenner möchte sagen: ausgerechnet – Georges Bizets Oper «Carmen» heran. Hier werde der einst glühende Wagnerianer beim Hören nicht nur ein «besserer Philosoph», sondern gar ein «besserer Mensch». Die Musik beschreibt er als leicht, liebenswürdig, reich, heiter. Sie «schwitzt nicht», die Bizet’sche Luft sei – bildhaft gesprochen – trocken, rein und klar, die Musik symbolisiere eine Rückkehr zu «Natur, Gesundheit, Heiterkeit, Jugend, Tugend».
Doch was hat das alles mit dem Konzert des Swiss Orchestra zu tun? Zunächst einmal werden mit Franz Waxmans «Carmen-Fantasie» für Violine und Streichorchester die schönsten Melodien aus Bizets Oper auf die Konzertbühne gebracht. Und nicht nur das dürfte den Philosophen freuen. Denn auch grosse Teile des weiteren Programms könnten Nietzsches Vorstellung von guter Musik (die – nebenbei gesagt – in seinem Frühwerk noch ganz anders aussah) entgegenkommen, denn es geht naturverbunden, heiter und jugendlich zu und her: Da sind mit Hans-Jürg Sommers «Alp-Sommer» und mit Leopold Mozarts «Sinfonia Pastorella» zunächst zwei naturnahe Stücke für die ungewöhnliche Besetzung Alphorn (Lisa Stoll) und Streichorchester. Von der norwegischen Volksmusik und einer tiefgründigen, stimmungsvollen Harmonik geprägt sind die «Zwei nordischen Weisen» für Streichorchester von Edvard Grieg. Alexey Shors Violinkonzert (Solo: Yuki Hirano) verbindet virtuose Passagen mit jugendlicher Heiterkeit. Ganz anders ist die Stimmung in Samuel Barbers «Adagio for Strings», das von den Hörer*innen der BBC zum traurigsten klassischen Musikstück gewählt worden ist. – Doch solch ein kleiner Kontrapunkt wird ja auch Nietzsches Ohren wohl nicht schaden.
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