Samstag, 22.10.2022
19.30 Uhr

Forellenquintett – oder soll es Tod bedeuten?

Kammermusik

Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble

Mojca Erdmann, Sopran
Michael Barenboim, Violine
Yamen Saadi, Violine
Sara Ferrandez, Viola
Gerard Caussé, Viola
Astrig Siranossian, Cello
Ivan Karizna, Cello
Nabil Shehata, Kontrabass
Karl-Heinz Steffens, Klarinette
Elena Bashkirova, Piano

Das Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble um Elena Bashkirova, Mojca Erdmann und Michael Barenboim spielen Werke der grossen Romantiker Schubert, Mendelssohn und Schumann.

Preise: CHF 135 / 105 / 85 / 60

Programm

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847):
Drei Stücke für Klarinette, Violoncello und Klavier

Robert Schumann (1810–1856):
Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73

Felix Mendelssohn Bartholdy / Aribert Reimann (*1936):
«…oder soll es Tod bedeuten?». Acht Lieder und ein Fragment von Felix Mendelssohn Bartholdy nach Gedichten von Heinrich Heine für Sopran und Streichquartett bearbeitet und verbunden mit sechs Intermezzi von Aribert Reimann

Felix Mendelssohn Bartholdy:
Lieder für Sopran

Franz Schubert (1797–1828):
Quintett A-Dur für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, D 667 («Forellenquintett»)

Über das Programm

Alle drei Komponisten, deren Werke beim zweiten Kammermusikkonzert mit dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble gespielt werden, hatten und haben mit Vorurteilen zu kämpfen: Da ist der als «Liederfürst» abgestempelte Franz Schubert, der zwar in der Liedkunst als unerreicht gilt, mit seinem übrigen Schaffen aber nicht an das Genie seines Zeitgenossen Ludwig van Beethoven heranreichen könne. Da ist der als verrückt geltende Robert Schumann, dessen Spätwerk von seiner ins Irrenhaus führenden Krankheit gezeichnet und kaum aufführbar sei. Und schliesslich ist da Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Ansehen – insbesondere durch die von Richard Wagner forcierte antisemitische Diffamierung des Werks als sentimental und oberflächlich – nachhaltig geschädigt wurde. Auch wenn diese Klischees hinreichend widerlegt wurden, prägen sie das Bild der drei grossen romantischen Komponisten bis heute. Der Kammermusikabend in der Andermatt Konzerthalle bietet vielfach Gelegenheit, diese überkommenen Vorstellungen zu relativieren.

Schumanns «Fantasiestücke» zählen zu einem Werkkomplex, der als Reaktion auf die deutsche Revolutionsbewegung 1848/49 entstand und der sich der kleineren, einfacheren und «biedermeierlichen» Form der Hausmusik widmet, die allerdings immer häufiger den Weg in den Konzertsaal findet. Was die Musik transportieren soll, ist der Imagination überlassen: So bleibt es bei der Betitelung der «Fantasiestücke» bei Angaben wie «Zart und mit Ausdruck». Auch Mendelssohn beschränkt sich in seinen ebenfalls lange als Hausmusik eingeordneten «Drei Stücken» auf abstrakte Titel wie «Lied ohne Worte» und lässt damit der Fantasie freien Lauf.

Lieder mit Worten sind die von Aribert Reimann zusammengestellten und für Sopran und Streichquartett bearbeiteten Kompositionen von Mendelssohn, denen er verbindende Intermezzi hinzugefügt hat. Durch Reimanns Zusammenstellung der ursprünglich unabhängig voneinander entstandenen Lieder zu Texten von Heinrich Heine entsteht ein aufwühlender Zyklus, der der titelgebenden Frage nachgeht «…oder soll es Tod bedeuten?».

Schuberts «Forellenquintett» erhielt den Beinamen wiederum durch seinen vierten Satz, dem Schubert sein Lied «Die Forelle» als Thema zugrunde legte – Fische wurden bislang nicht beim Musizieren gesichtet.

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