Samstag, 15.5.2027
19.30 Uhr

Monteverdi Choir – «Buxtehudes Tochter»

OPULENTE BAROCKMUSIK

Monteverdi Choir
English Baroque Soloists
Jonathan Sells, Leitung

Der international gefeierte Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists zählen zu den musikalischen Meisterensembles der Barockmusik und bringen ein Programm nach Andermatt, das sich um die erstaunliche Verknüpfung von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach zu Dieterich Buxtehudes Tochter dreht.

Preise: CHF 135 / 105 / 85 / 60 / 45

Programm

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Concerto grosso in G-Dur op. 6 Nr. 1

FRANZ TUNDER
«An Wasserflüssen Babylon»

JOHANN SEBASTIAN BACH
Kantate «Nach dir, Herr, verlanget mich» BWV 150

DIETERICH BUXTEHUDE
«Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken» BuxWV 4
Jesu, meine Freude BuxWV 60

JOHANN SEBASTIAN BACH
Brandenburgisches Konzert Nr. 5 in D-Dur BWV 1050
Motette «Jesu, meine Freude» BWV 227

Über das Programm

Während man in der Schweiz einen unliebsamen Mitmenschen gerne mal nach Timbuktu oder ganz allgemein in die Wüste schickt, heisst es bei unseren deutschen Nachbarn sprichwörtlich auch: «Dann geh doch nach Buxtehude». An dieser Stelle sollte es nun aber heissen: «Dann geh doch *zu* Buxtehude», denn Buxtehude ist nicht nur eine norddeutsche Stadt in der Nähe von Hamburg, sondern auch ein dänisch-deutscher Komponist mit Vornamen Dieterich. Manch ein Komponistenkollege hätte Buxtehude wohl auch gerne nach Buxtehude, in die Wüste, nach Timbuktu oder sonst wohin geschickt, denn dieser suchte einen Nachfolger für sich. Seine Stelle als Organist und Werkmeister an der Lübecker Marienkirche war zwar attraktiv – doch die Sache hatte einen Haken.

Buxtehude selber hatte 1668 Anna Margaretha Tunder, die Tochter seines Amtsvorgängers, geheiratet – was wohl keine Voraussetzung war, ihm bei der Stellenübernahme aber durchaus dienlich gewesen sein mag. Bei seiner eigenen Nachfolge machte er die Sache dann verbindlicher: Wer sein Amt übernehmen wollte, sollte die älteste seiner noch unverheirateten Töchter ehelichen, konkret die damals 28jährige Anna Margreta. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, war dieses Vorgehen damals nicht ungewöhnlich und gleichzeitig eine frühe Form sozialer Absicherung für die Hinterbliebenen. Abschrecken liessen sich davon dennoch prominente Interessenten: 1703 reisten Johann Mattheson (21 Jahre alt) und Georg Friedrich Händel (18) nach Lübeck, spielten auf verschiedenen Instrumenten vor – und verzichteten dankend, wie Mattheson berichtet, da «eine Heiraths-Bedingung bey der Sache vorgeschlagen wurde, wozu keiner von uns beiden die geringste Lust bezeigte». Auch Johann Sebastian Bach machte sich 20jährig 1705 zu Fuss auf den rund 450 Kilometer langen Weg, um den alten Meister Orgel spielen zu hören; ob er dabei auch dessen Stelle im Hinterkopf hatte, bleibt offen. Fündig wurde Buxtehude schliesslich 1706: Johann Christian Schieferdecker trat die Nachfolge nach Buxtehudes Tod 1707 an – und heiratete noch im selben Jahr dessen Tochter.

Diese persönlichen Verknüpfungen nehmen der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists – zwei von Sir John Eliot Gardiner gegründete musikalische Schwergewichte, die sich weit über die Barockmusik hinaus einen Namen gemacht haben – zum Anlass für ihr Konzertprogramm: Zu hören sind Kompositionen von Franz Tunder, Händel, Bach und Buxtehude, die damit eine musikalische Annäherung an «Buxtehudes Tochter» bieten, wie bereits der Programm-Titel verrät.

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